Rissinjektion

Die Bildung von Rissen ist im Stahlbetonbau unter Einwirkung von Zugspannungen kaum zu vermeiden. Daher gilt es die Rissbreiten soweit zu beschränken, dass Erscheinungsbild und die Dauerhaftigkeit im Hinblick auf den Korrosionsschutz nicht beeinträchtigt werden. Auch sind Anforderungen an die Wasserundurchlässigkeit oder Dichtigkeit der Konstruktion von maßgebender Bedeutung.

Zulässige Rissbreiten sind in der DIN 1045-1 geregelt: 

  • Stahlbeton, trocken oder ständig nass -  0,4 mm
  • Stahlbeton, nass - 0,3 mm 
  • Stahlbeton, nass und Chlorid belastet -  0,3 mm 

Werden diese zulässigen Rissbreiten eingehalten, sind die Risse im Regelfall unbedenklich.

Riss in Betonwand
Rissverlauf in Betonwand

Bei expliziten Vorgaben an die Wasserundurchlässigkeit der Konstruktion, zum Beispiel bei Weißen Wannen, sind höhere Anforderungen an die zulässigen Rissbreiten zu stellen. Hier liegen sie je nach Anforderung und weiteren Randbedingungen zwischen 0,2 und 0,1 mm.

Verfahrensbeschreibung  Rissinjektion

Als Rissinjektion, Rissverpressung, Risssanierung oder Betoninjektion bezeichnet man das unter Druck ausgeführte Verfüllen von Rissen in Stahlbetonbauwerken oder Mauerwerk mit mineralischen Produkten oder Reaktionsharzen.

 Dabei erfüllt eine Rissinjektion eine oder mehrere der nachfolgenden Anforderung:

  • Schließen des Rissverlaufes als Schutz gegen das Eindringen von korrosionsfördernden Stoffen ins Bauteil 
  • Abdichten des Rissverlaufes zum Beheben von riss- bzw. hohlraumbedingten Undichtigkeiten im Bauteil
  • kraftschlüssiges Verbinden des Rissverlaufes durch Herstellen einer zug- und druckfesten Verbindung und Wiederherstellung der Tragfähigkeit des Bauteils
  • Dehnfähiges Verbinden von Rissflanken

Ein kraftschlüssiges und dehnfähiges Verbinden von Rissflanken schließt sich gegenseitig aus.

Aufbau Rissinjektion, Rissverpressung
Schematischer Aufbau einer Rissabdichtung durch Injektion

Nach Untergrund vorbereitenden Maßnahmen werden Injektionskanäle entlang des Rissverlaufs beidseitig versetzt in einem Winkel von 45° gebohrt und Injektionspacker montiert. 

Rissinjektion, vorbereiteter Untergrund, Injektionspacker wurden gesetzt
Rissinjektion an der einer Tiefgarage, der Untergrund wurde vorbereitet und die Injektionspacker gesetzt

Um den erforderlichen Injektionsdsdruck aufbauen zu können und ein Auslaufen des Injektionsmaterials während der Injektion zu verhindern, sollte der Injektionsbereich verdämmt werden. 

Die Injektion erfolgt bei senkrechten Rissen immer von unten nach oben, bei horizontal verlaufenden Rissen immer einseitig. Das Injektionsmaterial wird unter Beachtung des zulässigen Injektionsdrucks so lange injiziert, bis es beim nächsten Packer austritt. 

Rissinjektion Rissverpressung als Druckinjektion an der Decke
Rissinjektion - Einbringen des Injektionsstoffes unter Druck

Dieser Vorgang wird dann über den gesamten Rissverlauf von Injektionspacker zu Injektionspacker fortgeführt.

Nach Ausreagieren des Injektionsmaterials können dann Packer und Verdämmung entfernt und die Injektionskanäle verschlossen werden.

Fugenabdichtung durch Injektion

Die Abdichtung von Bauteilfugen in Stahlbetonbauwerken, beispielsweise an den Anschlussbereichen der Wände zueinander oder der Wände zum Boden und an die Decken (Arbeitsfugen), erfolgt in der Regel und in Abhängigkeit der Fugenbreite ebenfalls mittels einer Rissinjektion. 

Abdichtung der Arbeitsfuge am Boden- Wandanschluss mittels Rissverpressung
Abdichtung Fuge am Boden- Wandanschluss mit einer Druckinjektion

Hierzu werden im Anschlussbereich zwischen Wand und Bodenplatte die Injektionskanäle so eingebracht, dass die Arbeitsfuge im 45° Winkel durchbohrt wird.

Arbeitsfugenabdichtung am Wand- Bodenanschluss
Montierte Injektionspacker im Wandanschluss zur Bodenplatte

Die Injektion des Füllstoffes erfolgt ebenfalls über Injektionspacker. Nach Beendigung der Injektion werden die Packer entfernt und die Öffnungen mit einem geeigneten Material verschlossen.

Abgedichtete Arbeitsfuge im Boden- / Wandanschluss
Wiederhergestellter Bereich nach Abdichtung der Arbeitsfuge im Boden- / Wandanschluss