Schimmelpilzsanierung

Schimmelpilze sind ein natürlicher Bestandteil unserer Umwelt und Natur. Über die Luft, durch unsere Kleidung oder auch über Blumenerde gelangen Schimmelsporen auch in unsere Wohnungen. Dort können sie dann zu einem ernsten Problem werden, sofern sie auf geeignete Lebensbedingungen treffen.

Schimmelsporen
Schimmelsporen unter dem Mikroskop

Aufgrund der Komplexität der Schadensursachen wie auch der unterschiedlichen technischen Verfahren, die zur Schadensbehebung von Schimmelpilzbefall eingesetzt werden müssen, ist es nicht möglich, ein einheitliches Sanierungsverfahren zu beschreiben.

Ziel einer Sanierung ist die Herstellung eines hygienischen Normalzustandes. Um bei der Durchführung der Sanierungsmaßnahmen gesundheitliche Risiken für Bewohner und Ausführende zu vermeiden, wurde die fachgerechte Vorgehensweise in Form einer Handlungsempfehlung für die Sanierung von mit Schimmelpilzen befallenen Innenräumen (Herausgeber Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg) sowie in einem Leitfaden zur Vorbeugung, Untersuchung, Bewertung und Sanierung von Schimmelpilzwachstum in Innenräumen durch die Innenraumlufthygienekommission des Umweltbundesamtes definiert.

Ursache von Schimmelbefall

Generell gilt: kein Schimmelbefall ohne  Feuchtigkeit! Als eine der primären Wachstumgrundlagen für Schimmel ist die Ermittlung der Feuchtigkeitsursache Grundlage einer jeden erfolgreichen Sanierung / Beseitigung von Schimmelpilzbefall.

Schimmelbefall an Leibungen
Kondensationsfeuchtigkeit als Grundlage für Schimmelbefall im Bereich geometrischer Wärmebrücken

Nicht selten führen unangepasstes Nutzungsverhalten, Wasserschäden ebenso wie bauliche Mängel infolge von Fehlplanungen und Fehler in der Bauausführung zu Schimmelpilzschäden in Gebäuden.

Letzteres ist insbesondere häufig bei einer gut gemeinten, aber ohne gesamtheitliche Betrachtung der restlichen Bausubstanz, durchgeführten Teilsanierung von Altbauten z.B. beim Fensteraustausch (Schall- oder Wärmeschutz) , einer unsachgemäßen Anbringung von Innendämmungen oder der Umnutzung eines Objekts, wie z.B. Ausbau von Kelleräumen zu Arbeits-, oder Wohnräumen anzutreffen.

Gefährdungen durch Schimmelpilze

Die Sporen der Schimmelpilze zählen, im lebenden wie auch im abgestorbenen Zustand, zu den wesentlichsten Allergen in Innenräumen. Insbesondere immungeschwächte und / oder zu Asthma, Neurodermitis, Heuschnupfen u. Ä. neigende Menschen unterliegen der exponierten Gefahr gegen Schimmelpilze allergisch zu werden. Zudem erhöht sich die Gefahr einer  Hausstaubmilbenallergie, da sich Hausstaubmilben von Schimmelpilzen ernähren und in schimmelbefallenen Wohnungen ideale Lebensbedingungen finden.

In einigen wissenschaftlichen Untersuchungen konnte nachgewiesen werden, dass Menschen nach anhaltenden Kontakt mit Schimmelpilzen nachweislich ein erhöhtes Gesundheitsrisiko haben. Schimmelpilze können, wenn sie in entsprechender Häufung auftreten, sowohl zu körperliche Reaktionen als auch giftigen Verbindungen (Mykotoxine) führen.

Schimmelprobe in Petrischale
Schimmelprobe zur Auswertung im Labor

Wenn Schimmel krank macht

Typische, durch Schimmel verursachte Erkrankungen sind vielschichtig und zeigen sich in Symptomen wie:

  •     Erkrankungen der oberen und unteren Atemwege
  •     Bronchitis
  •     Atemnot
  •     Husten
  •     Fieber
  •     Reizerscheinungen der Augen
  •     Reizungen der Haut (Neurodermitis)
  •     erhöhte Infektanfälligkeit
  •     chronischer Erschöpfungszustand
  •     Konzentrationsstörungen
  •     Muskelschmerzen
  •     Magen-Darm-Beschwerden
  •     und Allergien

Schimmelbefall - was nun?

Werden schwarze oder gräuliche Stellen in Ecken oder hinter dem Schrank entdeckt, ist der erste Schreck meist groß. Es besteht dennoch kein Grund zur Panik.

Schimmel durch Kondensation aufgrund einer Waermebruecke
Kleiner Schimmelpilzbefall im Eckbereich verursacht durch Kondensbildung an einer Wärmebrücke

Bewohner können kleineren Schimmelpilzbefall (z. B. kleiner 0,5 m²) selbst beseitigen, sofern sie nicht allergisch auf Schimmelpilze reagieren, an chronischen Erkrankungen der Atemwege leiden oder ein geschwächtes Immunsystem haben.

Ist ein größerer Schimmelbefall vorhanden, sollte die Beseitigung aufgrund der Komplexität der Ursachen, der Art und Schwere einer Gefährdung und der technischen Möglichkeiten der Sanierung nur durch ausgebildetes Fachpersonal erfolgen. In jedem Fall ist unbedingt eine Ursachenermittlung und die Gefährdungsbeurteilung durch einen Sachverständigen erforderlich.

Maßnahmen im Einzelfall

Schimmel entfernen mit Alkohol
Schimmelbehandlung mit 70 %igem Alkohol (Ethanol oder Isopropanol)
  1. Glatte Flächen: Bei glatten Flächen, wie Fliesen, Keramik, Glas, Metall, ist es ausreichend, die Flächen mit einem haushaltsüblichen Reiniger abzuwaschen.  Anschließend die Flächen mit 70 %igem Alkohol (Ethanol oder Isopropanol) (Gundermann et al., 1991) desinfizieren. Dabei ist unbedingt auf gute Durchlüftung zu achten. Durch die Verdunstung des Alkohols besteht Brand- und Explosionsgefahr. Deshalb den Alkohol nur in kleinen Mengen verwenden. Auf keinen Fall darf dabei geraucht oder offenes Feuer verwendet werden.
  2. Silikonfugen: Befallene Silikonfugen sollten entfernt werden. Im Badezimmerbereich kann bei neuer Verfugung ein pilzhemmendes Sanitärsilikon verwendet werden (Ausführung durch Handwerker).
  3. Poröse, offenporige Flächen: Z. B. verputzte Wände feucht abwischen und danach, um den Schimmelbefall abzutöten, mit Alkohol (Ethanol oder Isopropanol) abreiben. Bei trockenen Flächen 70 %igen Alkohol und bei nassen Flächen  80 %igen Alkohol verwenden. Dabei ist wiederum wie in Pkt. 1 beschrieben, für gute Durchlüftung zu sorgen. 
  4. Polster und Polstermöbel: Bei Polster und Polstermöbel muss zwischen direkt befallenem Material, auf dem Schimmelpilze wachsen (oder gewachsen sind) und Möbeln, die lediglich mit Schimmelpilzsporen aus der Luft verunreinigt wurden, unterschieden werden.  Direkt befallene Polstermöbel sind häufig schwer zu reinigen, da der Schimmelpilzbefall insbesondere, wenn dieser länger andauerte, tief in die Polster eingedrungen sein kann. Daher ist eine  Reinigung mit vertretbarem Aufwand oft nicht möglich und die Möbel sollten sicherheitshalber entsorgt werden. Möbelstücke, die nicht selbst befallen aber mit Sporen verunreinigt sind, können durch intensives Absaugen (Staubsauger mit Hepa-Filter) gereinigt werden. Die Staubsaugerbeutel sollten mit dem Hausmüll entsorgt werden.
  5. Tapeten: Befallene Tapeten sollten angefeuchtet und entfernt werden. Anschließend die betroffenen Wandflächen mit Alkohol behandeln (siehe oben).
  6. Textilien: Befallene Textilien, wie Vorhänge oder Decken vorsichtig abnehmen und in der Waschmaschine, ggf. mehrfach, waschen.  Unter Umständen lassen sich jedoch durch Schimmelpilze verursachte Flecken und Gerüche nicht mehr entfernen.

Krankheitssymptome - ein Hinweis auf versteckten Schimmel ?

Klassische, wenn auch recht unspezifische Symptome wie Schnupfen, Bronchitis, Reizerscheinungen der Augen, Müdigkeit, Kopfschmerzen können auf einen Schimmelbefall im Wohnraum hindeuten. "Laut Deutschem Allergie- und Asthmabund leiden etwa sechs Prozent der Deutschen an Schimmelpilzallergien".

Jedoch ist nicht jeder Schimmelbefall sichtbar und kann sich beispielsweise nach einem nicht fachgerecht oder nur unvollständig sanierten Wasserschaden hinter Wandverkleidungen oder unter dem Estrich gebildet haben.

Schimmelspuerhund
Schimmelspürhund im Einsatz

Wird eine versteckter Schimmelbefall vermutet,  ist der Einsatz eines Schimmelspürhundes als Ersatz oder als Ergänzung mikrobieller oder MVOC-Messungen  in Gebäuden sinnvoll. Hunde werden seit langem bei der Lokalisierung von Rauschgift oder Sprengstoff erfolgreich eingesetzt. Ebenso sind speziell ausgebildete Schimmelpilzspürhunde in der Lage, verdeckte Schimmelpilzbelastungen geruchlich wahrzunehmen und anzuzeigen.